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World Conference on Religion and Peace
Weltkonferenz der Religionen für den Frieden
"Religion and Globalisation: Perspectives for the New Millenium" in Lisbon
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Peace Education Standing Commission c/o Prof. Dr. Johannes Lähnemann, Lehrstuhl Evangelische Religionspädagogik der Universität Erlangen-Nürnberg
Regensburger Str. 160
DE-90478 Nürnberg

 
2001 Conference of the North-South Centre of the Council of Europe on "Religion and Globalisation: Perspectives for the New Millenium" in Lisbon

(HjB) Tagungsbericht: "Religion und Globalisierung. Perspektiven für das neue Jahrtausend"

Interkulturelle und interreligiöse Begegnungen fördern und religiöse Perspektiven zur Globalisierung abfragen wollte eine Konferenz über "Religion und Globalisierung. Perspektiven für das neue Jahrtausend", die das Nord-Süd-Zentrum des Europarates im April in Lissabon veranstaltet hat. Organisator Dr. Giovanni Battista Celiento konnte dazu in der Universidade Lusiada von Lissabon rund 80 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus Religion, Wissenschaft und Politik begrüßen. Prof. Dr. José Medeiros Ferreira, Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, betonte in seiner Eröffnungsrede, die Tagung sei auch ein Zeichen, dass die europäische Politik bei der Behandlung globaler Fragen die Stimmen der Religionen nicht außen vor lassen wolle. Kardinal José da Cruz Policarpo rief in seinem Grußwort dazu auf, angesichts der Globalisierung die interkulturellen Fähigkeiten zu entwickeln, eine Grundeinstellung aktiver Toleranz zu üben und die positiven Beiträge der Religionen zu würdigen. Er verband damit auch Kritik an einem dogmatischen Laizismus, der die Lebensbeiträge der Religion leugne.

Die Stimmen der Religion
Die Arbeit wurde mit elf Statements aus Sicht der Religionen eröffnet. Diane Alai, Vertreterin der Bahai bei der UNO in Genf, beispielsweise entfaltete die Vision einer Weltdemokratie mit demokratisch gewählten Weltparlaments und einer entsprechend legitimierten Regierung, mit unabhängigen Gerichten und einer starken Weltpolizei, vorurteilsfreien Medien und gerechtem Handel. Die UN sei ein ganz guter Anfang, die Welthandelsorganisation hingegen nicht. So konkret wurden andere Statements nicht. Dr. Giorgio Filibeck von Iustitita et Pax formulierte für die römisch-katholische Kirche die Spannung zwischen der Ambivalenz einer ganz an wirtschaftlichen Interessen orientierten Globalisierung und christlichen Grundvorstellungen wie der Gottesebenbildlichkeit, während der griechisch-orthodoxe Pater Alexandre Bonito dem Verhältnis von Vielfalt der Welt und Einheit in der Liturgie nachspürte. Für die protestantische Seite sprachen Bischof Ireneu da Silva Cunha von der portugiesischen Methodistenkirche und Dr. Hansjörg Biener, der an konkreten Beispielen von Entscheidungsgremien, Partnerschaften, Lobbyarbeit und interreligiösen Fragen darstellte, wie die lutherischen Kirchen auf die in ihrem Weltbund erlebte Globalisierung reagieren und Partnerschaft zwischen Nord und Süd, aber auch zwischen den Südkirchen einüben. Besondere Aufmerksamkeit gewannen Sheik Feisal Abdul Rauf (New York), der die Globalisierung in seiner eigenen Biographie zwischen ägyptischer Herkunft, englischen und malaysischen Jahren und dem heutigen Leben in den USA nacherzählte und einen religiösen Gegenpol in der islamischen Mystik fand, und Groß-Rabbi René-Samuel Sirat (Paris), der die Ambivalenz der Moderne mit Psalm 72 zusammenlas. Trotz aller Ambivalenzen bewerteten beide die Modernisierung positiv und die Globalisierung eher von ihren Chancen her.
Die meisten Beiträge versuchten einen Bogen von der Universalität der jeweiligen Religion zur Globalisierung zu schlagen. Ganz im Unterschied dazu beschrieb Yoshimi Umeda von der International Shinto Foundation die Suche des Schintoismus als japanischer Volksreligion nach seinem Beitrag zur Welt der Religionen. Im Unterschied zur vom Staats-Schinto der 30er und 40er Jahre geprägten Bild sei es dem Volkschinto immer um das einfache Leben, den Einklang mit der Natur und den Frieden mit den Vorfahren und den Mitmenschen gegangen. Dieses Erbe samt der im Westen als Polytheismus wahrgenommenen religiösen Toleranz gegenüber einer Vielfalt von religiösen Vorstellungen könne auch für die Welt hilfreich werden.

Stimmen der Gesellschaft
Perspektiven zum Wechselspiel von Religion, Politik, Zivilgesellschaft und Bildung behandelten Prof. Elvira Falbo (Universita Pontifica Auxilium Roma),
Sidney Shipton (Three Faiths Forum), Leslie Bulman (Direktorin des Weltbundes der Pfadfinderinnen, Mitglied in der Führung von Civicus) und Prof. Dr Johannes Lähnemann (Erziehungswissenschaftliche Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg).
Civicus, so Leslie Bulman in ihrem Beitrag, ist eine Interessensgemeinschaft von Nicht-Regierungsorganisationen, die den Aufbau von Bürgerbeteiligung und Mitverantwortung anstreben. Die Religionen bzw. ihrer Vertreter werden als historisch und gesellschaftlich wichtige Kraft anerkannt und zur Beteiligung eingeladen. Allerdings wird ein grundsätzliches Ja zur Pluralität und ein Nein zum Exklusivismus erwartet. Aus ihrer Sicht trugen und tragen Vertreter der Religionen sowohl zu tatsächlicher und erlebter Ausgrenzung bei als auch zur Sensibilisierung für Ungerechtigkeit und Ausgrenzung. Für die Opfer solcher Ausgrenzung sei der Glaube manchmal Opium, manchmal aber auch die einzige Möglichkeit, sich zu organisieren und eine Stimme zu erheben. Die Religionen werden als mögliche Partner für die Wiederanerkennung der Würde und Rechte derer angesehen, die an den Rand gedrängt werden. In diesem Zusammenhang forderte sie, Reichtum nicht so sehr von Geld her zu bestimmen, sondern zum Beispiel Persönlichkeitsbildung als Reichtum zu verstehen. Analog gelte es einen Begriff für das Ehrenamt zu finden, der nicht so sehr die Wohltätigkeit impliziert. Ähnlich äußerte sich am folgenden Tag Berma Klein Goldweijk (Center for Dignity and Rights), die das Bild von unsichtbare wandernde Machtzentren wieder aufgriff und auf die Entsinnlichung des Lebens hinwies. Weil Entscheidungsträger eher auf die Zahlen der Börse schauten als auf konkrete Folgen der Entscheidungen für konkrete Menschen, sollten die Religionen sollen nicht nur Notfallhilfe betreiben, sondern aus der Kraft ihrer Tradition heraus auch gegen den Strom schwimmen. Prof. Dr. Johannes Lähnemann, Theologe an der erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg kommentierte eine Thesenreihe aus seiner umfangreichen Erfahrung mit interkultureller und interreligiöser Erfahrung. Beispiele guter Praxis konnten die Teilnehmenden anschließend in einer Broschüre mitnehmen, die die von ihm geleitete Ständige Kommission für Friedenserziehung der Weltkonferenz der Religionen für den Frieden zum UN-Dialogjahr herausgebracht hat.

Organisator Dr. Giovanni Battista Celiento fasste die Grundstimmung der Konferenz in einem Abschlusskomuniqué in vier Punkten so zusammen: in der Forderung an alle Religionen, die in ihren Traditionen vorhandenen Aspekte von Frieden, Mitmenschlichkeit und Gerechtigkeit stärker zur Geltung zu bringen, in der Bereitschaft der Religionen, ihre Erfahrung mit anderen Interessensgruppen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu teilen, in der Bekräftigung, dass eine welt-politische und inter-religiöse Bildung als Antwort auf die Globalisierung unverzichtbar ist und dass sie dementsprechend auch in der Ausbildung für das Lehramt berücksichtigt werden muss.

prepared by Dr. Hansjörg Biener
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